Webdesign und Internetprogrammierung

Webdesign (M)ENDE
 
Liebe Kunden und Geschäftspartner, liebe Freunde,
 
Ende 2015 wird Webdesign Mende nach über 17 Jahren schließen. Als erstes möchte ich mich bei Ihnen/Euch für die vielen Jahre, teils mehr als anderthalb Jahrzehnte der Treue und Zusammenarbeit bedanken. Als zweites möchte ich meine Beweggründe für diesen Schritt erläutern.
 
Die einzige Ursache liegt in der katastrophalen Internetanbindung des Roetgener Südens. Seit mehr als zehn Jahren kann ich schon nicht mehr so arbeiten, wie ich das gerne möchte. Während die Konkurrenz in Stadtnähe inzwischen auf Verbindungsgeschwindigkeiten von 100 oder gar 200 Mbit/s zurückgreifen kann, aber auch Kollegen in kleineren Eifeldörfern längst mit 50 Mbit/s online gehen, sind es bei uns im Schnitt 0,7 Mbit/s, manchmal nur 0,3. Seit vielen Jahren beklagen wir diese Situation, seit vielen Jahren wird uns schnelle Abhilfe versprochen, seit ebenso vielen Jahren warten wir vergeblich.
 
Hieß es zuletzt, dass nun aber doch auf jeden Fall bis Ende 2014 der Breitbandausbau abgeschlossen sein sollte, vertröstet man uns jetzt auf 2016. Selbst wenn ich den Versprechungen genauso glauben würde wie bei den unzähligen vergangenen Ankündigungen: Diesmal werden auch die Einschränkungen genannt. Die Glücklichen, die in der Nähe der drei zu verstärkenden Verteilerkästen wohnen, werden — so es denn der Leitungsquerschnitt zulässt — mit bis zu 50 Mbit/s ins Internet gehen können. Wer wie wir weiter von diesen Verteilern entfernt lebt oder arbeitet, erhält deutlich niedrigere Geschwindigkeiten, teils nur 6 Mbit/s; einige werden sogar ganz leer ausgehen. Ich ahne schon jetzt, wer das sein wird. Ich vermute auch, dass wir mit dieser Lösung sehr viele Jahre werden leben müssen, bevor die Verantwortlichen sich wieder aufraffen können, etwas für uns zu tun. Manchmal frage ich mich: Wohin geht eigentlich das ganze Geld von der ständig steigenden Grundsteuer oder Gewerbesteuer?
 
Seit langer Zeit kann ich meine Kunden nicht mehr schnell genug bedienen. Mails kommen wegen der oft tagelangen, manchmal Wochen dauernden Totalausfälle des Telefon- und DSL-Netzes zu häufig verspätet an; Uploads dauern ganze Tage oder Nächte statt Minuten. Sogar die Gäste in unseren Ferienhäuschen sind in Zeiten der Totalausfälle teils nach einem halbstündigen Aufenthalt wutentbrannt wieder ausgezogen, weil sie weder ihre Firmenchefs noch ihre Familien kontaktieren konnten; die Verluste lassen sich kaum noch beziffern. Der Mobilfunk bietet keinen Ausweg, denn in der oberen Neustraße herrscht noch der uralte GSM-Standard; von LTE sind wir Lichtjahre entfernt.
 
So mancher der angesprochenen Verantwortlichen bei der Gemeinde Roetgen behauptete, mit der uns gebotenen Geschwindigkeit könnte man doch prima leben; für ihn würde es reichen, warum dann nicht für uns? Was wollte man denn mehr als mailen und surfen? Wer überhaupt je von Streamingformaten oder Videouploads gehört hatte, hielt dies offenbar für irgendetwas Illegales.
 
Ich kann kaum in Worte fassen, wie oft ich mich über so viel Ignoranz und Untätigkeit geärgert habe und wie wütend und verzweifelt ich war bzw. bin, weil ich diesen Leuten hilflos ausgeliefert bin. Als besonders tragisch empfinde ich es, den Beruf aufzugeben, der mir eigentlich auf den Leib geschneidert ist. Lange bevor ich an der RWTH Aachen meinen Abschluss in Sprachwissenschaften gemacht habe, hatte ich an der TU Berlin schon das Programmieren von der Pike auf gelernt. Bildende Kunst sowie digitale Fotografie und Bildbearbeitung gehören zu meinen ganz großen Leidenschaften, ebenso wie die neuesten Entwicklungen bei Hard- und Software. Das Webdesign war wie für mich gemacht.
 
Das ist jetzt vorbei. Mit 51 Jahren werde ich noch einmal einen Neuanfang wagen müssen und mich ganz neu orientieren. Das hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt. Welchen Ausweg gäbe es? Wegziehen? Meine Familie und Freunde, Haus und Garten im Stich lassen? In der Stadt ein Büro mieten für teures Geld, das ja auch erst einmal verdient werden muss? Das Internet via Satellit wäre eine behelfsmäßige Alternative gewesen, mit der ich zumindest Geschwindigkeiten wie beispielsweise im Dörfchen Hammer erreicht hätte, hätte denn die Gemeinde Roetgen jemals die schätzungsweise über 20 Meter hohen Straßenbäume auf der gegenüber liegenden Seite durch fachgerechten Schnitt im Zaum gehalten. Inzwischen sind sie so gewuchert, dass weder die Internetschüssel noch die TV-Anlage ein vernünftiges Signal empfangen. Es gibt also keinen wirklichen Ausweg. Webdesign Mende ist Geschichte oder wird es zumindest bald sein.
 
Mein besonderes Bedauern gilt den ehrenamtlichen oder caritativen Einrichtungen, deren Internetauftritte ich seit jeher kostenlos betreue. Ich habe das immer sehr gerne getan, weil mich die Menschen, die hinter diesen Einrichtungen stehen und die ihre Freizeit für das Wohl ihrer Mitmenschen opfern, maßlos beeindrucken. Ich kann nur hoffen, dass sich jemand findet, der an meiner Stelle Ihre bzw. Eure Internetseiten weiter mit Leben füllt.
 
Auch von den Anderen trenne ich mich nur schwer. Wir haben so viele interessante Projekte gemacht, so prima zusammengearbeitet und hatten noch so viel vor. Es tut mir sehr leid. Ich kann nur hoffen, dass mir niemand böse ist und diese ausführliche Erläuterung meiner Beweggründe zu ein wenig Verständnis beitragen konnte.
 
Danke für alles,
 
Nadja Mende

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